Zu echten Exoten während der Zeit des Kalten Krieges dürften auch die nachstehend beschriebenen Wasserstraßensperren zählen, wobei der Begriff Wasserstraßensperre durch den Autor gewählt wurde, da aus Dokumenten des Bundesarchivs/ Militärarchivs eine offizielle Bezeichnung für diese Form der vorbereiteten Sperranlagen nicht hervorgeht.
In den 1970er Jahren war vorgesehen, an 6 Örtlichkeiten die Bundeswasserstraßen Nord-Ostsee-Kanal, Eider, Elbe, Mittelland-Kanal und Weser durch entsprechende Sperreinbauten im Verteidigungsfall für die Nutzung durch Truppen des Warschauer Paktes zu sperren bzw. zu lähmen. Es gab auch Hinweise auf eine 7. Örtlichkeit am Main, die aber bislang nicht verifiziert werden konnte. All diese Sperrobjekte wurden nach heutigem Kenntnisstand in den 1970er Jahren und Anfang der 1980er Jahre aufgelassen und aus den Sperrplänen gestrichen.
Am Nord-Ostsee-Kanal sollte die Nutzung sowohl der alten als auch der neuen »Schleusenanlage Brunsbüttel« unterbunden werden.
Es war vorgesehen, die mit Stemmtoren versehene alte Schleusenanlage durch Ladungen an den Halslagern der 4 Torpaare und 8 Antriebsräder unbrauchbar zu machen.
Die mit Schiebetoren versehene neue Schleusenanlage sollte durch Ladungen an 4 Schiebetoren, Toroberwagen und kraftübertragendem Zahnrad gelähmt werden.
Weiterhin sollte das zur Gesamtschleusenanlage gehörende Kraftwerk durch Ladungen an 3 Notstromaggregaten, Schaltschrank und Stromzulauf am Meßzähler in seiner Nutzung beeinträchtigt werden.
Das Sperrobjekt war Anfang 1979 noch in den Sperrplänen des schweren Pionierregiments 60 verzeichnet.

Ebenfalls am Nord-Ostsee-Kanal gelegen sollten die alte und die neue »Schleusenanlage Holtenau« durch entsprechende Vorbereitungen einer feindlichen Nutzung entzogen werden.
Vorgesehen war, die mit Stemmtoren und Maschinenkammern versehene alte Schleusenanlage durch je 1 Ladung in den Luftkammern der 4 Stemmtorflügel (landwärts), Ladungen an den Halslagern der landwärtigen Stemmtorflügel und Ladungen an den Pumpen und Spillanlagen in den Maschinenkammern zu lähmen.
Die neue, mit Schiebetoren ausgestattete Schleusenanlage sollte durch Ladungen an 6 Schiebetoren, 2 Torunterwagen und 2 Verbindungsgelenken der Wagenbalken gesperrt werden.
Weiterhin sollte auch in Holtenau das zur Gesamtschleusenanlage gehörende Kraftwerk durch Ladungen an den Notstromaggregaten, 2 Druckleitungsrohren und 6 Kraftstromanlagen außer Betrieb gesetzt werden.
Im Gegensatz zu Brunsbüttel gehörten in Holtenau auch 2 Versatzpontons zur Schleusenanlage. Diese sollten durch Ladungen in den Maschinenkammern unbrauchbar gemacht werden.
Gleiches galt auch für mehrere, im Bereich der Schleusenanlage stehende Ladekräne. Auch diese sollten durch Ladungen unbrauchbar gemacht werden.
Auch dieses Sperrobjekt war Anfang 1979 noch in den Sperrplänen des schweren Pionierregiments 60 verzeichnet.

In der Nähe von Friedrichstadt befindet sich an der Eider die »Schleusenanlage Nordfeld«.
Diese Schleusenanlage sollte durch 10 Ladungen an den Stemmtoren, 20 Ladungen an den E-Antriebsmotoren und 2 Ladungen am Gegengewicht der Fußgängerbrücke der Schleusenkammer gesperrt werden. Die Ladungen sollten frei angebracht werden.
Dieses Sperrobjekt wurde bereits am 28.09.1972 aufgelassen und aus den Sperrplänen gestrichen.

An der Elbe befindet sich die »Schleusenanlage Geesthacht« mit einer Gesamtlänge von 230 m.
Die Schleusenanlage sollte durch eine Bolzensperre im Hubtor unterstrom, Sprengen der Lenker und Verschalten der E-Anlage unbrauchbar gemacht werden.
Schon im Jahr 2010 erhielt der Autor durch einen Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Lauenburg den Hinweis, dass die Schleuse Geesthacht zu Zeiten des Kalten Krieges durch niederländische Pioniere zerstört werden sollte. Dies bestätigte sich in den vergangen Jahren durch Dokumente des Bundesarchivs/ Militärarchivs, da sich das Sperrobjekt im Gefechtsstreifen des I.(NL) Korps befand.

In Minden an der Weser befindet sich die »Hafen- und Schleusenanlage Unterer Vorhafen Minden-Nord«.
Dieser Bereich sollte in Höhe des Zusammenflusses des Verbindungskanals Nord mit der Weser durch Schiffsversenkungen im Hafenbecken gesperrt werden.
Im Sommer 1984 fanden am Brückentrog des »Wasserstraßenkreuzes Minden« umfangreiche Sanierungsmaßnahmen statt. Im Zuge dessen dürfte das Sperrobjekt voraussichtlich spätestens zu dieser Zeit aufgelassen und aus den Sperrplänen gestrichen worden sein.

Ebenfalls in Minden, jedoch am Mittelland-Kanal, befindet sich das »Wasserstraßenkreuz Minden«.
Der Mittelland-Kanal führt hier über die Weser und sollte durch den Einbau von 8 Straßensprengschächten mit je 5,00 m Tiefe in den Dammaufschüttungen Ost und West im Bereich der heutigen »alten Trogbrücke« gesperrt werden.
Ob durch den entstehenden Wasseraustritt großflächige Überschwemmungen in den unterhalb des Kanals liegenden Ortsteilen und Industriegebieten entstanden wären oder die darunter fließende Weser das Kanalwasser hätte aufnehmen können, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Anzumerken bleibt aber, dass sich östlich und westlich des Wasserstraßenkreuzes auf Höhe Dankersen und Hahlen 2 Sperrtore befinden, die mit ziemlicher Sicherheit vor der Sprengung der Dammaufschüttungen geschlossen worden wären und es so nur zu einem begrenzten Auslaufen des Kanalwassers gekommen wäre.
Das Sperrobjekt dürfte voraussichtlich spätestens im Zuge von umfangreichen Sanierungsmaßnahmen am Brückentrog im Sommer 1984 aufgelassen und aus den Sperrplänen gestrichen worden sein.

Bei dem bislang nicht verifizierten 7. Sperrobjekt handelt es sich um die »Schleusenanlage Kostheim« am Main.
Laut der Broschüre „Über Sprengkammern, Atomminen, Wallmeister und verbrannte Erde“ der Grünen Hessen (1. Auflage 1986, Seite 9) sollten die Schleuse Kostheim, aber auch alle weiteren Mainschleusen zu Zeiten des Kalten Krieges zerstört werden. Dies hätte bedeutet, dass neben den 6 hessischen Mainschleusen auch die 2 baden-württembergischen und die 26 bayrischen Schleusen entlang des Mains in die Sperrplanungen mit einbezogen worden wären. Dies kann nach heutigem Kenntnisstand zumindest für die beiden baden-württembergischen Schleusen bei Wertheim anhand vorliegenden Kartenmaterials ausgeschlossen werden.

(Aktualisierungsstand: 30.01.2026)