Tunnelsperren waren ebenfalls eine nicht sehr häufig verwendete Form vorbereiteter Sperranlagen. Waren während der Zeit des 2. Weltkrieges sehr viele Straßen- und Eisenbahntunnel zur Sprengung vorgesehen, konnten für die Zeit des Kalten Krieges nach heutigem Kenntnisstand lediglich 36 Objekte identifiziert werden.
Die in die Verteidigungsplanungen der NATO integrierten Tunnelsperren befanden sich zum allergrößten Teil in Eisenbahntunneln (32 Objekte). Die weiteren 4 Objekte befanden sich in einem Autobahntunnel, einem Straßen- und Fußgängertunnel unter einer Bahnstrecke sowie einem Straßen- und einem Fußgängertunnel unter dem Nord-Ostsee-Kanal.






Während sich die 3 letztgenannten Objekte in Schleswig-Holstein befanden und bis zum Ende des Kalten Krieges in die Verteidigungsplanungen einbezogen waren, befanden sich die Eisenbahntunnel allesamt südlich der Elbe und hier fast ausschließlich im westlichen Bereich der alten Bundesrepublik. Diese Objekte wurden nach und nach aus den Sperrplänen gestrichen, was zum einen am Strategiewechsel der NATO von der rückwärtigen, weit westlichen Verteidigung zur Vorneverteidigung im Bereich der innerdeutschen bzw. tschechoslowakischen Grenze gelegen haben dürfte, zum anderen aber auch Sanierungsmaßnahmen in Form von Umbau- und Verbreiterungsmaßnahmen in den Tunneln (Streckenelektrifizierung, größere Lokomotiven und Waggons usw.) geschuldet war.
Tunnelsperren in Eisenbahntunneln waren i. d. R. mit Sprengkammern im Bereich der Tunnelportale versehen, die größtenteils noch aus der Zeit des 2. Weltkrieges gestammt haben dürften, durch die alliierten Streitkräfte zunächst übernommen und später, nach Gründung der Bundeswehr, an diese übergeben wurden.
Im Fall des Autobahntunnels (»Lämmerbuckel-Tunnel«) ist bislang nicht geklärt, ob auch dieser in die Verteidigungsplanungen mit einbezogen war oder es sich bei den Sperreinbauten um Relikte aus dem 2. Weltkrieg gehandelt hat.
Bei der Tunnelsperre im Straßentunnel in Rendsburg unter dem Nord-Ostsee-Kanal im Zuge der B 77 (»Kanaltunnel Rendsburg«) handelte es sich bei den Sperreinbauten um einen echten Exoten. Im von 1957 bis 1961 erbauten Tunnel befand sich auf jeder Portalseite eine Flutkammer unter der Fahrbahn, die über eine Röhre DN 1000 mit dem Kanal verbunden war. Im Verteidigungsfall wäre das Wasser des Nord-Ostsee-Kanals zum Fluten des Tunnels genutzt worden. Diese Flutkammern wurden im April 2013 im Rahmen einer Grundinstandsetzungsmaßnahme zu Sammelgruben für Löschwasser und Leichtflüssigkeiten im Unglücksfall umgebaut.



Die Tunnelsperre im Fußgängertunnel in Rendsburg unter dem Nord-Ostsee-Kanal hingegen war lediglich geplant, wobei die Planung aber bereits Anfang der 1970er Jahre aufgegeben wurde. Auf welche Art der Fußgängertunnel gesperrt werden sollte, ist nicht bekannt. Möglicherweise aber sollten auch hier ähnliche Sperrvorrichtungen wie im Rendsburger Straßentunnel eingebaut werden.
(Aktualisierungsstand: 30.01.2026)