Trichtersperren

Trichtersperren in Form von Straßensprengschächten waren die am häufigsten errichteten Sperranlagen. Bis zum Ende des Kalten Krieges wurden nach heutigem Kenntnisstand flächendeckend über die Bundesrepublik mehr als 5600 dieser Sperrobjekte errichtet. Diese hohe Zahl bestand aber nicht durchgehend, sondern wechselte im Laufe der Zeit durch Anpassungen in den Verteidigungsstrategien, aber auch durch Veränderungen bspw. an der Infrastruktur (z. B. Straßenneubauten, Straßenumbauten usw.), wodurch es zu Auflassungen im Bereich der Westgrenze der Bundesrepublik und zu diversen Sperrneubauten im östlichen Bereich entlang der innerdeutschen und tschechoslowakischen Grenze kam.

Durch das Auslösen des Sprengstoffs in den Straßensprengschächten wurden Teilbereiche der Straße großräumig zerstört und machten sie so vorläufig unpassierbar. Gleichwohl war vorgesehen, die infrastrukturellen Schäden (Beschädigung von Kanalisation, Kabeltrassen, aber auch in der Nähe befindlichen Gebäuden), die durch solche Sprengungen zwangsläufig entstanden wären, so gering wie möglich zu halten. Trotzdem mussten durch die Sprengungen gegnerische Vormärsche zuverlässig verzögert werden. Trichtersperren waren im Gegensatz zu der landläufig weit verbreiteten Meinung nicht mit Sprengstoff bestückt. Dieser lagerte, ebenso wie das weitere notwendige Material (Zünder usw.), in Sperrmittelhäusern, Standortmunitionsniederlagen und Munitionsdepots über die gesamte Bundesrepublik verteilt.

Trichtersperren in den 1980er Jahren bestanden i. d. R. aus 3 Straßensprengschächten, die in einem Abstand von 16,00 m bis 20,00 m meist mittig der Fahrbahn eingebaut waren. Oftmals kam es aber vor, daß die einzelnen Schächte auch versetzt zwischen Straßenmitte und den Grünstreifen oder aber aufgrund der örtlichen Begebenheiten in ganz anderen Varianten errichtet wurden.

Weniger oft wurden Trichtersperren mit nur 1, 2, 4, 5 oder 6 Straßensprengschächten errichtet, die in unterschiedlichsten Anordnungen verbaut wurden. Lediglich Trichtersperren mit 6 Straßensprengschächten wurden grundsätzlich als Doppelsprengschächte quer oder schräg zur Fahrbahn errichtet.

Auf Autobahnen und Schnellstraßen hingegen wurden oft bis zu 9 Straßensprengschächte errichtet, die sich in fast allen Fällen vor Brücken befanden und hier gleichmäßig verteilt in beiden Standstreifen und im Grün unter der Mittelschutzplanke verbaut waren.

Die Tiefe der einzelnen Straßensprengschächte betrug i. d. R. 5,00 m. I. d. R. bedeutete, dass sich die Tiefe eines jeden Straßensprengschachts grundsätzlich nach den topographischen Verhältnissen des Geländes richtete. Daher kam es durchaus vor, dass an manchen Stellen die Straßensprengschächte eine Tiefe von bis zu 8,00 m aufwiesen.

Bestückt wurden die Straßensprengschächte mit Sprengkörpern DM 41, den sogenannten Käseladungen. Diese Käseladungen hatten ein Gewicht von 25 kg. Als Faustformel galt 4 Käseladungen bzw. 100 kg/ lfm Tiefe. Für eine Trichtersperre mit 3 Straßensprengschächten a‘ 5,00 m Tiefe wurden somit 60 Sprengkörper DM 41 mit einem Gesamtgewicht von 1.500 kg benötigt.

Die allgemeine Annahme, es wäre eine festgelegte Menge von ×××× kg Sprengstoff für diese Sperren vorgesehen gewesen, ist nur bedingt richtig. Die berechnete Ladung setzte sich zusammen aus der Tiefe des Schachts, der Art des umgebenden Gesteins und der gewünschten Trichtergröße. Die hier gewonnenen Angaben, die man mittels Formeln berechnen konnte, wurden im Sperrheft zum jeweiligen Sperrobjekt hinterlegt.

Tabelle zur Sprengstoffberechnung

Die Zündleitungen wurden von den einzelnen Schächten durch Kunststoffrohre mittels Wäscheleinen gezogen. Die Ausgänge der Zündleitungen waren entweder durch Froschklappen in der Böschung oder sogenannten Hydrantendeckeln im Straßenbegleitgrün oder am Fahrbahnrand verschlossen.

Die Sprengung hätte je nach Bedarf einen etwa doppelt so breiten wie tiefen Krater gerissen. Die Krater sollten so bemessen sein, dass sie durch feindliche Fahrzeuge nicht einfach durchfahren werden konnten. Zusätzlich sollten im unmittelbaren Bereich der Trichtersperre Panzerabwehrminen verlegt werden. Die weitere Umgebung war ebenso vermint, um ein Umfahren zu verhindern.

Da viele Menschen keine Vorstellung davon haben, welche Sprengkraft zum Wirken gekommen wäre, zeigen die nächsten Bilder das Ergebnis nach Auslösung von drei normal bestückten Schächten:

Durch das Aufstoppen bspw. einer Kolonne vor der ausgelösten Sperre konnten die Verteidiger die mehr oder weniger bewegungslos wartenden Fahrzeuge mit geeigneten Mitteln vernichten. Hierfür waren alle Sperrabschnitte artilleristisch vermessen und verschiedenen Einheiten zwecks Überwachung zugeteilt.

Die U.S. Army probte zeitweise auch das Anlegen von Panzergräben mittels Flüssigsprengstoff. Dafür wurden Kunststoffrohre von über 500 m Länge eingegraben, mit Flüssigsprengstoff geladen und gezündet. Das Ergebnis war vergleichbar mit den Bildern oben, jedoch auf 500 m Länge.

(Aktualisierungsstand: 30.01.2026)